Bechern - was ist das?

Bechern (Cup) Feeding: Eine sichere Alternative zur Flasche - evidenzbasiert erklärt

11.7.2018 (aktualisiert 2026)

veröffentlicht von: Andrea Böttcher,

Kinderkrankenschwester

Fachkraft für Stillförderung, Laktationsberaterin, Stillbeauftragte für die Klinik

Referentin für Stillen und Säuglingsnahrung

In dieser Reihe möchte ich euch heute die alternative Fütterungsmethode des Becherns vorstellen. Mir ist wichtig, dass ihr wisst: Es gibt immer Alternativen zur Flasche - aber jede Methode muss zur Situation, zum Baby und zu euch passen. (1,2)

Bitte probiert niemals einfach etwas auf eigene Faust aus. Alternative Fütterungsmethoden brauchen fachkundige Anleitung, praktische Demonstration und eine Einschätzung, ob sie für euer Baby geeignet sind. Jede Methode hat Vorteile, Grenzen und mögliche Risiken (1).

Besonders bei:

  • kranken Kindern

  • Frühgeborenen

  • saugschwachen Babys

  • Kindern mit Gedeihstörungen

  • neurologischen Besonderheiten

  • Spaltfehlbildungen

  • mundmotorischen Problemen

ist eine engmaschige professionelle Begleitung notwendig. Hier können die Grenzen der ehranemtlichen Stillberatung bereits erreicht sein (2).


Was ist Bechern (Cup Feeding)?

 

Beim Bechern wird Muttermilch oder Säuglingsnahrung aus einem kleinen Becher oder Schnapsglas verabreicht - ohne Sauger, ohne Flasche. Diese Methode eignet sich für Babys, die:

  • zu schwach oder zu unreif zum Saugen sind

  • vorübergehend von der Mutter getrennt sind

  • eine Spaltfehlbildung haben

  • medizinisch gefüttert werden müssen, aber eigentlich Stillkinder sind

  • eine Saugverwirrung vermeiden sollen (1, 3)

Wichtig:

Das Baby muss eine grundlegende Koordination von Lippen – Zunge – Schlucken besitzen. Kinder dürfen nicht lethargisch, nicht neurologisch beeinträchtigt und nicht extrem schläfrig sein. Ein intakter Würgereflex ist notwendig, sonst besteht Aspirationsgefahr (1).


Wie funktioniert Bechern?

✔️ Vorbereitung

  • Ein kleiner Becher wird etwa zur Hälfte gefüllt (ca. 10 ml).
  • Der Becher hat idealerweise eine abgerundete Kante.

  • Diese wird sanft an die Unterlippe des Babys angelegt – ohne Druck.

  • Dadurch entsteht ein oraler Stimulus: Das Baby beginnt zu schlecken oder zu nippen 

✔️ Welcher Becher eignet sich?

  • spezielle Cup‑Feeding‑Becher,

  • Soft-Cup (geschlossener Behälter 80ml mit weichem Silikon-Löffelaufsatz)

  • dickwandige Schnapsgläser (für kleine Mengen)

  • kleine Kunststoff- oder Melaminbecher (für größere Mengen)

Wichtig ist, dass der Becher gut in der Hand liegt und das Baby sicher gehalten werden kann.

✔️ Haltung des Babys

  • Baby leicht aufrecht halten

  • gut abstützen

  • Arme ggf. leicht einpacken, damit der Becher nicht weggestoßen wird

  • Das Baby bestimmt das Tempo

👉 Ganz wichtig: Nicht schütten! Das Baby holt sich die Milch selbst. Wird geschüttet, besteht Aspirationsgefahr (1). 


Lernprozess für Eltern und Baby

Bechern braucht:

  • etwas Übung

  • Geduld

  • ruhige Umgebung

  • eine gute Anleitung

Manchmal klappt es sofort – manchmal braucht es ein paar Versuche. Das ist völlig normal.


Wann ist Bechern sinnvoll?

  • zur Vermeidung von Saugverwirrung

  • bei kurzfristiger Trennung von Mutter und Baby

  • bei Frühgeborenen, die noch nicht effektiv saugen (individuell schauen)

  • bei medizinischer Zufütterung, wenn Stillen erhalten bleiben soll

  • bei Saugschwäche

  • als Übergangsmethode bis zum effektiven Stillen (1, 3)


Wann ist Bechern nicht geeignet?

  • bei Babys mit hohem Aspirationsrisiko
  • bei neurologischen Einschränkungen
  • bei sehr schläfrigen oder lethargischen Babys
  • bei fehlendem Würgereflex
  • teilweise auch bei mundmotorischen Problemen: wenn die Zunge nicht ausreichend gestreckt werden kann
  • wenn das Baby nicht wach genug ist, aktiv mitzutrinken (1)

In diesen Fällen ist eine medizinische Abklärung und professionelle Anleitung zwingend notwendig.

                                                             Liebe Grüße und bis bald,

                        

                                                                                               

Copyright © 2026 Andrea Böttcher

Quellen:

(1) Academy of Breastfeeding Medicine (ABM). Clinical Protocol #3: Supplementary Feedings in the Healthy Term Breastfed Neonate.

(2) EISL – Europäisches Institut für Stillen und Laktation. Positionspapier zu alternativen Fütterungsmethoden.

(3) WHO/UNICEF. Alternative Feeding Methods for Breastfed Infants.