13.07.2018 (aktualisiert 2026)
veröffentlicht von: Andrea Böttcher,
Kinderkrankenschwester
Fachkraft für Stillförderung, Laktationsberaterin, Stillbeauftragte für die Klinik
Referentin für Stillen und Säuglingsnahrung
Das Brusternährungsset (BES) – international als Supplemental Nursing System (SNS) bezeichnet – ist eine der effektivsten alternativen Fütterungsmethoden, wenn ein Baby zusätzliche Nahrung benötigt, aber das Stillen erhalten bleiben soll.
Mit einem BES kann dein Baby voll an der Brust trinken, während es gleichzeitig über einen dünnen Schlauch zusätzliche Milch erhält (1, 2).
Der große Vorteil: Du musst dein Baby nicht an die Flasche gewöhnen, vermeidest Saugverwirrung und sparst dir das aufwendige Stillen + Flasche + Pumpen Dreieck.
Wie funktioniert das Brusternährungsset?
Ein BES besteht aus:
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einem Milchbehälter (Muttermilch oder Säuglingsnahrung)
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einem oder zwei dünnen Schläuchen
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einer Befestigungsmöglichkeit für Brust oder Kleidung
Der Behälter hängt meist um den Hals oder wird and er Kleidung fixiert. Ein Schlauch wird an der Brustwarze befestigt, sodass das Baby beim stillen gleichzeitig Milch aus der Brust und über den Schlauch erhält (1).
Das BES kann genutzt werden:
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an einer Brust
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an beiden Brüsten
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auch in Kombination mit Brusthütchen
-
sogar bei Zwillingen
Wann kann das BES eingesetzt werden?
✔️ Bei der Mutter
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unzureichende Milchbildung
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verspätet einsetzender Milcheinschuss
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Relaktation (Wiederaufnahme des Stillens)
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Adoptivstillen
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nach Erkrankungen oder Operationen
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wenn Zufütterung nötig ist, aber die Brust weiterhin stimuliert werden soll
✔️ Beim Baby
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Saugprobleme (ineffektiv, kurz, schwach)
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fehlendes Saugen
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Gedeihstörung
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medizinische Zufütterung, aber Stillen soll erhalten bleiben
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Vermeidung von Saugverwirrung
-
Frühgeborene, die an der Brust üben sollen
Das BES ist eine der wenigen Methoden, die gleichzeitig:
-
Stillen ermöglichen
-
Zufüttern ermöglichen
-
die Milchbildung fördern
-
das Saugverhalten verbessern
Welche Vorteile bietet das BES?
✔️ 1. Stillen bleibt erhalten
Das Baby bleibt an der Brust, nicht an der Flasche. Die orale Stimulation bleibt Physiologisch.
✔️ 2. Kein falsches Saugmuster
Das Baby entwickelt keine Flaschenpräferenz und keine Saugverwirrung (1).
✔️ 3. Sofortiger Milchfluss motiviert
Durch den zusätzlichen Milchfluss saugen viele Babys ausdauernder und effektiver.
✔️ 4. Milchbildung wird gefördert
Die Brust wird weiterhin stimuliert → wichtig für die Milchmenge.
✔️ 5. Zeitersparnis
Stillen + Zufüttern passieren gleichzeitig. Kein zusätzliches Flasche füttern, kein doppeltes Handling.
✔️ 6. Natürliches Trinktempo
Das Baby kann den Milchfluss selbst regulieren, ähnlich wie beim Stillen. Das verhindert Überfütterung, wie sie bei Flaschensaugern vorkommen kann (3).
Gibt es auch Nachteile?
Das BES ist kein Nachteil – aber es braucht:
✔️ etwas Übung
Eltern und Baby müssen sich an das Handling gewöhnen.
✔️ sorgfältige Reinigung
Wie jedes Fütterungssystem muss es gründlich gereinigt werden.
✔️ passende Milch
Nicht jede Nahrung fließt gut durch die dünnen Schläuche.
✔️ professionelle Begleitung
Fachgremien betonen: Ein BES sollte immer unter Anleitung einer qualifizierten Still- und Laktationsberaterin eingesetzt werden. (1,2)
Warum?
- Schlauchposition muss individuell angepasst werden
- Trinkmenge, Ausscheidung und Gewicht müssen beobachtet werden
- Saugstärke und Milchbildung bestimmen die Einstellung
- Fehlerhafte Anwendung kann frustrieren oder ineffektiv sein
Ist das BES kompliziert?
Es wirkt am Anfang komplex – aber:
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eine Flasche muss man auch kaufen, zusammenbauen, reinigen
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bei medizinischer Zufütterung braucht man oft Spezialsauger
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auch beim Flaschefüttern müssen Atmung, Herzfrequenz, Trinktempo beachtet werden
-
bei Gedeihstörung wird genauso engmaschig kontrolliert
👉 Der Unterschied: Mit dem BES bleibt dein Baby an der Brust – und das ist langfristig ein enormer Vorteil.
Liebe Grüße und bis bald,
Quelle:
(1) Academy of Breastfeeding Medicine (ABM). Clinical Protocol #3: Supplementary Feedings in the Healthy Term Breastfed Neonate.
(2) EISL – Europäisches Institut für Stillen und Laktation. Positionspapier zu alternativen Fütterungsmethoden.
(3) WHO/UNICEF. Alternative Feeding Methods for Breastfed Infants.
(4) Walker M. Breastfeeding Management for the Clinician. Evidence‑based guidelines.
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